Bank of Japan hebt Leitzins auf 31-Jahres-Hoch – Energiepreise und Iran-Krieg treiben Inflationsdruck
Die japanische Notenbank hat den Leitzins auf 1% angehoben und damit den höchsten Stand seit September 1995 erreicht. Die Bank of Japan (BOJ) erhöhte den kurzfristigen geldpolitischen Satz am 16. Juni von 0,75% auf 1% und setzt damit ihren langsamen, bewusst gesteuerten Kurs weg von Jahrzehnten ultralockerer Geldpolitik fort.
Auslöser sind erneut die Energiepreise: Der anhaltende Konflikt im Nahen Osten, insbesondere die Auswirkungen des Iran-Kriegs, treibt Öl- und Gaspreise nach oben und verstärkt den Inflationsdruck, dem sich die BOJ zunehmend stellen muss.
Die Entscheidung fiel in einer zweitägigen Sitzung mit 7:1 Stimmen. Das einzige Gegen-Votum kam von Ratsmitglied Asada Toichiro, der Risiken für Wachstum und Beschäftigung betonte.
Auffällig: Gouverneur Kazuo Ueda fehlte bei der Sitzung im Juni 2026. Die BOJ machte dazu keine Angaben. Das klare Abstimmungsergebnis deutet auf ausreichenden Konsens im Gremium hin.
Es ist die erste Zinserhöhung seit Dezember 2025, als die BOJ den Satz auf 0,75% angehoben hatte. Marktteilnehmer hatten den Schritt weitgehend erwartet, gestützt durch anhaltende Energieinflation und entsprechende Signale der Notenbank.
Japan ist stark von Energieimporten abhängig. Steigende Preise infolge geopolitischer Spannungen treffen die Inflation daher stärker als in vielen anderen Industrieländern. Die BOJ verfolgt die Lage im Nahen Osten nach eigenen Angaben eng; der aktuelle Konflikt führt zu dem anhaltenden Preisschock, der eine geldpolitische Reaktion wahrscheinlicher macht.
Trotz der Straffung will die Notenbank die finanziellen Bedingungen insgesamt unterstützend halten. Weitere Schritte sollen datenabhängig erfolgen.
Kryptowährungen erwähnte die BOJ weder im Beschluss noch in begleitenden Aussagen. Für Digitalwerte und andere Risikoanlagen ergeben sich dennoch indirekte Effekte: Der Yen-Carry-Trade gilt seit Jahren als wichtiger Treiber globaler Risikomärkte. Investoren finanzieren sich günstig in Yen und investieren in höher verzinste Anlagen, teils auch in Krypto. Steigende japanische Zinsen verteuern diese Finanzierung und verschlechtern die Kalkulation solcher Strategien. Zudem kann ein nach Zinserhöhungen häufig festerer Yen Umschichtungen auslösen.
Beobachtet wird auch das abweichende Votum von Asada Toichiro. Sollten sich Konjunktur- und Arbeitsmarktdaten in den kommenden Monaten deutlich eintrüben, könnte diese Position mehr Unterstützung bekommen – ein mögliches Signal für eine Pause oder sogar eine spätere Kehrtwende.