Bitcoin rutscht unter 60.000 US-Dollar – Liquidationen von 1,5 Mrd. US-Dollar heizen Abverkauf an
Bitcoin ist am Freitag unter die Marke von 60.000 US-Dollar gefallen und hat damit die Abwärtsbewegung der vergangenen zehn Tage auf insgesamt rund 19.000 US-Dollar ausgeweitet. Der Verkaufsdruck nahm am gesamten Kryptomarkt zu: Innerhalb von 60 Minuten wurden Long-Positionen im Wert von mehr als 155 Mio. US-Dollar liquidiert, in den vergangenen 24 Stunden summierten sich die Liquidationen auf 1,5 Mrd. US-Dollar. Der Bruch der technischen Schlüsselzone um 60.000 US-Dollar erhöhte die Volatilität.
Auslöser der jüngsten Schwäche waren überraschend robuste US-Arbeitsmarktdaten. Im Mai stieg die Zahl der Beschäftigten außerhalb der Landwirtschaft (Nonfarm Payrolls) um 172.000 und lag damit über den Markterwartungen von 85.000. Die Arbeitslosenquote blieb bei 4,3%. Zudem wurden die Payrolls für März und April zusammen um 93.000 nach oben revidiert. Stärkere Arbeitsmarktdaten können die Erwartungen an Zinssenkungen der US-Notenbank dämpfen und damit Risikoanlagen belasten.
Kurz nach Veröffentlichung des Berichts notierte Bitcoin bei etwa 61.884 US-Dollar und lag in 24 Stunden rund 2,54% im Minus, bevor der Kurs unter 60.000 US-Dollar rutschte.
Deribit sieht 60.000 US-Dollar als zentrale Optionsmarke
Jean-David Péquignot, Chief Commercial Officer der Kryptoderivatebörse Deribit, bezeichnete 60.000 US-Dollar als wichtigen Referenzpunkt für den Bitcoin-Optionsmarkt. Auf Deribit seien Put-Optionen an diesem Strike mit einem nominalen Open Interest von mehr als 1,2 Mrd. US-Dollar hinterlegt. Ein nachhaltiger Rutsch unter 60.000 US-Dollar – wie heute zu beobachten – könnte Market Maker dazu zwingen, Short-Gamma-Positionen abzusichern, etwa durch Verkäufe am Spotmarkt oder über Futures. Gleichzeitig erhöht eine hohe Hebelung das Risiko weiterer Long-Liquidationen, falls die Kurse weiter nachgeben.
Peter Schiff erklärte, die kurzfristige Unterstützung um 61.000 US-Dollar habe nicht lange gehalten und er rechne mit weiter fallenden Kursen. Den Verkaufsdruck in Krypto- und Technologiewerten sieht er als Belastungsfaktor auch für andere Märkte, einschließlich Edelmetallen.
Michael Saylor verteidigt Bitcoin-Treasury-Strategie
Michael Saylor forderte die Bitcoin-Community zu Geschlossenheit über ideologische Grenzen hinweg auf, nachdem die Kursschwäche den Druck auf die Bitcoin-Position von Strategy erhöht hatte. Er beschrieb Bitcoin als globales monetäres Netzwerk, das von Privatpersonen, Institutionen, Unternehmen, Banken, Kapitalmärkten und Nationalstaaten genutzt werde. Saylor ordnete Unterstützergruppen in Maximalisten, Kapitalisten, Technologen und Fundamentalisten ein und betonte, Bitcoin brauche Überzeugung, Integration, Innovation und Bewahrung, um sein Potenzial auszuschöpfen.
Die nicht realisierten Verluste von Strategy sind laut Bericht auf über 12,7 Mrd. US-Dollar gestiegen, da BTC unter den durchschnittlichen Einstandspreis des Unternehmens gefallen ist. CryptoQuant-CEO Ki Young Ju sagte jedoch, die Kritik an der Kursentwicklung sollte stärker auf ältere Wale als auf Saylor zielen. OG-Wale hätten in den vergangenen zwei Jahren rund 1,24 Mio. BTC an Saylor und ETFs verkauft, während Strategy lediglich 32 BTC veräußert habe. Ju argumentierte, die Käufe von Strategy hätten mehr als 700.000 BTC absorbiert, die andernfalls auf den Markt hätten kommen können. Das "Death-Spiral"-Narrativ rund um Strategy erscheine auf Basis der aktuellen Daten überzogen.
MVRV zeigt Stresszone, aber auch mögliche Akkumulationsphase
Auch der Wert der Bitcoin-Bestände der US-Regierung ist im Zuge der Marktschwäche gefallen. In Marktkommentaren unter Berufung auf Glassnode wurde der Bestand mit 20,8 Mrd. US-Dollar beziffert, nach einem Hoch von 40,7 Mrd. US-Dollar im Oktober. Die Bestände stammen überwiegend aus beschlagnahmten kriminellen Vermögenswerten; eine strategische Bitcoin-Reserve wurde im März 2025 angeordnet.
On-Chain-Bewertungskennzahlen signalisieren ebenfalls Anspannung. Das MVRV-Verhältnis (Market Value to Realized Value) von Bitcoin ist auf 1,19 gesunken. Werte unter 1,0 werden meist mit Unterbewertung in Verbindung gebracht, höhere Werte deuten auf stärkere Buchgewinne im Markt hin.
Analysten beobachten zudem gleitende Durchschnitte im MVRV. Ein jüngstes "Death Cross" zwischen dem 4000-Tage-Durchschnitt und dem 365-Tage-Durchschnitt wird als Hinweis gewertet, dass das Abwärtsrisiko bestehen bleibt. In früheren Zyklen markierten ähnliche Konstellationen allerdings auch Phasen, in denen schrittweise Akkumulationsstrategien für langfristig orientierte Investoren an Bedeutung gewannen.
Für Bitcoin rückt nun die Zone um 59.000 US-Dollar in den Fokus. Ein Bruch könnte zusätzliche Absicherungsströme und Liquidationen auslösen. Für eine Erholung müsste BTC nach dem arbeitsmarktdatengetriebenen Abverkauf die Widerstandszone um 65.000 US-Dollar zurückerobern.