Bitcoin rutscht um 10% ab: Fed signalisiert straffere Linie, Liquidationen von 766 Mio. US-Dollar
Bitcoin ist laut dem jüngsten Bericht von Bitfinex stärker unter Druck geraten. Auslöser war eine abrupte Enthebelung im Markt, nachlassende ETF-Nachfrage und erneut zunehmender makroökonomischer Gegenwind. Die Korrektur fällt mit der größten Liquidationswelle seit drei Monaten zusammen, seit dem Hoch Anfang Mai fehlt dem Markt spürbar der Schwung.
Am 23. Mai wurden Positionen im Umfang von 766 Mio. US-Dollar liquidiert, darunter 458 Mio. US-Dollar auf der Long-Seite. Geopolitische Unsicherheit und ein 16-Monats-Hoch der Rendite 10-jähriger US-Staatsanleihen belasteten Risikoanlagen. Bitcoin gab vom Hoch Anfang Mai um nahezu 10% nach und fiel bis auf 74.027 US-Dollar. Zwar wurde das Monats-Open kurzzeitig zurückerobert, die Erholung kam anschließend nahe dem Wochen-Open ins Stocken.
Das Open Interest hat den Aufbau der vergangenen drei Wochen vollständig abgebaut, die Funding-Raten liegen wieder im neutralen bis leicht negativen Bereich. Damit ist die Hebelwirkung weitgehend aus dem Markt gespült, während die Aufwärtsdynamik fragil bleibt. Kurzfristige Käufer liegen inzwischen im Verlust: Bitcoin notiert unter dem "Short-Term Holder Realised Price" von rund 78.600 US-Dollar. Die Kostenbasis der 30-Tage-Akkumulatoren gab nach einem Schlusskurs unter 76.500 US-Dollar nach und schafft einen ausgeprägten Break-even-Widerstand um 79.000 US-Dollar. Ein übergeordnetes Widerstandsband sehen die Analysten bei etwa 85.900 US-Dollar. Für die nähere Zukunft dürfte die UTXO-"Air-Gap"-Zone von 72.000 bis 82.000 US-Dollar die Handelsspanne vorgeben, sofern keine neue institutionelle Nachfrage einsetzt. Gleichzeitig liegen die Börsenreserven nahe einem Siebenjahrestief, und das Angebot der Langfrist-Halter bleibt mit 14,43 Mio. Bitcoin stabil. Das spricht eher für passives Gewinnmitnehmen als für eine breite Kapitulation.
Makroseitig trübt sich der Ausblick für riskante Assets ein. Hartnäckige Inflation in den Bereichen Wohnen, Energie und Dienstleistungen erschwert der US-Notenbank den Kurs und dämpft die Erwartungen an kurzfristige Zinssenkungen. Hohe Treasury-Renditen und robuste Energiepreise nähren die Sorge, dass die Teuerung über dem Zielniveau bleiben könnte. Die Konsumentenstimmung ist auf ein Rekordtief gefallen, die Kaufkraft der Haushalte sinkt, und die langfristigen Inflationserwartungen haben deutlich angezogen. Zwar bleiben die Erstanträge auf Arbeitslosenhilfe niedrig, real sind die Löhne zuletzt aber ins Minus gerutscht, was Verbraucher trotz stabiler Beschäftigung zunehmend belastet.
Auch branchenseitig nimmt der Druck zu. Truth Social zog die geplanten Bitcoin-ETF-Anträge zurück, vor dem Hintergrund verschärften Wettbewerbs und sinkender Gebühren im überfüllten US-Markt für Spot-Bitcoin-ETFs. Beobachter werten den Schritt als Hinweis darauf, dass sich das Geschäftsmodell für kleinere Anbieter gegenüber dominierenden Emittenten weiter verschlechtert.
Parallel wächst ein langfristiges Sicherheitsrisiko: Das US-Handelsministerium stellt im Rahmen des CHIPS Act mehr als 2 Mrd. US-Dollar an Anreizen für Quantencomputing-Unternehmen bereit. Fortschritte bei leistungsfähiger Quantenhardware könnten perspektivisch die kryptografischen Grundlagen von Bitcoin unter Druck setzen und die Bemühungen der Branche um Post-Quantum-Schutz beschleunigen.