Bitcoin rutscht nach starken US-Arbeitsmarktdaten unter 60.000 US-Dollar
Bitcoin ist nach besser als erwarteten US-Beschäftigungsdaten unter Druck geraten. Laut CoinDesk dämpften die Daten die Hoffnungen auf Zinssenkungen der US-Notenbank in diesem Jahr und belasteten risikoreiche Anlagen. Am 5. Juni fiel Bitcoin bis auf rund 59.100 US-Dollar, erholte sich danach leicht, blieb aber unter der psychologisch wichtigen Marke von 60.000 US-Dollar.
Neubewertung des Zinspfads
Nach der Veröffentlichung der Arbeitsmarktdaten passten Händler ihre Erwartungen an. Die Aussicht auf Zinssenkungen 2024 hat sich deutlich abgekühlt; teils wird sogar wieder über eine weitere Zinserhöhung diskutiert. BNP Paribas änderte in dieser Woche ebenfalls seine Einschätzung und erwartet ab Dezember drei Zinserhöhungen durch die Federal Reserve. Als Gründe nannte die Bank Inflationsdruck, die Widerstandsfähigkeit des Arbeitsmarkts und möglichen Aufwärtsdruck auf Energiepreise durch Spannungen zwischen den USA und dem Iran. Polymarket beziffert die Wahrscheinlichkeit einer Zinserhöhung in diesem Jahr inzwischen auf 52%. CME FedWatch zeigt für Dezember eine Wahrscheinlichkeit von 42,7% für einen höheren Leitzins.
In den vergangenen zehn Tagen hat Bitcoin damit insgesamt rund 19.000 US-Dollar verloren.
Liquidationen verstärken die Abwärtsbewegung
Der Derivatemarkt verschärfte den Rückgang. Nach Daten von CoinGlass lagen die gesamten Liquidationen am Kryptomarkt in den vergangenen 24 Stunden bei mehr als 1,7 Mrd. US-Dollar; allein Long-Positionen wurden innerhalb nur einer Stunde im Umfang von über 155 Mio. US-Dollar liquidiert. Mit dem Rutsch unter 60.000 US-Dollar wurden auf mehreren Handelsplattformen gehebelte Positionen automatisch glattgestellt, was den Verkaufsdruck schnell erhöhte.
CoinDesk verweist zudem auf Deribit: Dort standen Put-Optionen mit einem Nominalwert von über 1,2 Mrd. US-Dollar nahe dem Strike von 60.000 US-Dollar aus, wodurch das Niveau für den Markt besonders relevant ist. Bleibt der Kurs darunter, könnten Market Maker Absicherungen über Spot- oder Futures-Verkäufe aufbauen, was die kurzfristige Volatilität zusätzlich anheizen kann.
ETF-Flows drehen erstmals seit 13 Handelstagen
Trotz des starken Rückgangs zeigen sich bei institutionellen Flows erste Entspannungssignale. Laut SoSoValue verzeichneten US-Spot-Bitcoin-ETFs am 4. Juni Nettozuflüsse von rund 3 Mio. US-Dollar und beendeten damit eine Serie von 13 Handelstagen mit Nettoabflüssen. Über diesen Zeitraum summierten sich die Abflüsse auf etwa 4,37 Mrd. US-Dollar. Der Zufluss fiel zwar gering aus, stoppte aber die bislang längste laufende Rücknahmeserie in diesem Jahr.
Auch Gold und Silber zogen keine klaren Safe-Haven-Zuflüsse an. Berichten zufolge fiel der Goldpreis um rund 3,5%, Silber gab um etwa 7,5% nach. Das deutet darauf hin, dass Anleger ihr Risiko in mehreren Anlageklassen gleichzeitig reduzierten, statt in Edelmetalle umzuschichten.
Nächste Marke: 55.000 US-Dollar
Im Fokus steht nun die Zone um 55.000 US-Dollar. On-Chain-Kennzahlen deuten laut dem Bericht auf eine Annäherung an eine „phaseweise Bereinigung“ hin. Analyst Seth verweist darauf, dass der Anteil profitabler Bitcoin-Adressen die langfristige Trendlinie erreicht habe – ein Niveau, das in der Vergangenheit bei größeren Drawdowns häufig mit Zyklustiefs zusammenfiel. Zudem seien die realisierten Verluste kurzfristiger Halter auf ein historisches Hoch gestiegen, während das Gewinn/Verlust-Verhältnis ein neues Tief markiere – ein Hinweis darauf, dass jüngere Käufer ihre Positionen gebündelt mit Verlust schließen.
Die Menge an Bitcoins, die langfristige Halter mit nicht realisierten Verlusten halten, liegt demnach bei rund 5,3 Mio. BTC und damit über dem Niveau nach dem FTX-Ereignis. Nach dem Bruch der 60.000-US-Dollar-Marke gilt der Bereich um 55.000 US-Dollar als nächster wichtiger Support und entspricht dem Februartief dieses Jahres. Sollte auch diese Zone fallen, könnte die psychologisch wichtige Marke von 50.000 US-Dollar wieder in den Blick rücken.