Bitcoin steigt über 66.000 US-Dollar, Entspannung im Golf stützt Risikoanlagen

Bitcoin hat die Marke von 66.000 US-Dollar zurückerobert, nachdem sich geopolitische Spannungen abgeschwächt haben und Risikoanlagen weltweit zulegten. CoinDesk zufolge erklärte US-Präsident Trump, dass Öltanker die Straße von Hormus passieren. Spekulationen über eine befristete Friedensvereinbarung zwischen den USA und dem Iran erhöhten zusätzlich die Risikobereitschaft. Sinkende Ölpreise gaben dem Markt weiteren Rückenwind. Am 15. Juni stieg Bitcoin intraday bis auf rund 66.829 US-Dollar, gab später leicht nach und notierte zuletzt um 66.460 US-Dollar. Das entsprach einem Tagesplus von knapp 5%. Parallel fiel der Rohölpreis um etwa 5,7%, rutschte unter 80 US-Dollar je Barrel und markierte den tiefsten Stand seit zwei Monaten. Damit drehte die zuvor durch die Nahost-Lage aufgebaute geopolitische Prämie, was die Sorge vor einem Wiederaufflammen der Inflation dämpfte. Mit der verbesserten Stimmung floss Kapital zurück in den Kryptomarkt. US-Spot-Bitcoin-ETFs verzeichneten laut CoinDesk heute einen Nettozufluss von 859 Mio. US-Dollar und beendeten damit fünf aufeinanderfolgende Tage mit Abflüssen. Auf Sicht der vergangenen Wochen bleibt die Erholung jedoch begrenzt: SoSoValue-Daten zeigen, dass es seit dem 15. Mai nur an zwei Handelstagen Nettozuflüsse gab; in den vergangenen fünf Wochen summierten sich die Nettoabflüsse auf rund 5,71 Mrd. US-Dollar. Stützend wirkten neben den ETF-Zuflüssen auch Unternehmenskäufe. Strategy hatte zuvor den Erwerb von 1.587 Bitcoins im Wert von etwa 100 Mio. US-Dollar gemeldet. Der Kauf folgte kurz nach der ersten Bitcoin-Veräußerung des Unternehmens seit mehreren Jahren, was Spekulationen auslöste, ob sich die langfristige Akkumulationsstrategie verändert. On-Chain- und Derivatedaten deuten ebenfalls auf wieder anziehenden Kaufdruck hin. Glassnode verwies darauf, dass nach dem Rücksetzer in den Bereich um 60.000 US-Dollar die Accumulation-Trend-Scores über mehrere Wallet-Typen hinweg gestiegen seien, was auf eine Aufnahme der Bestände nach dem Drawdown hindeute. Zudem liege Bitcoin wieder nahe 65.000 US-Dollar, einem Bereich mit hoher Optionskonzentration, in dem Hedging-Ströme von Market Makern die Preise nach der jüngsten Volatilität stabilisieren könnten. Der Anstieg wurde durch Short-Eindeckungen zusätzlich verstärkt. Nachdem Bitcoin das Schlüsselniveau um etwa 65.150 US-Dollar überschritten hatte, beschleunigte sich das Schließen von Short-Positionen deutlich. CoinGlass zufolge wurden in den vergangenen 24 Stunden am Kryptomarkt Positionen im Volumen von insgesamt 556,5 Mio. US-Dollar liquidiert, davon entfielen rund 459,9 Mio. US-Dollar auf Shorts. Allein bei Bitcoin lagen Short-Liquidationen bei etwa 168,7 Mio. US-Dollar, deutlich über Long-Liquidationen von rund 23 Mio. US-Dollar. Die Verteilung der Liquidationen zeigt zudem eine Häufung gehebelter Positionen zwischen 67.000 und 68.000 US-Dollar. Hält der Aufwärtsimpuls an, könnte dieser Bereich weitere Kursdynamik anziehen. Auf der Unterseite liegt auffällige Liquidität weiterhin bei etwa 64.500 bis 65.000 US-Dollar. Im Fokus bleibt die Unterstützung bei 65.000 US-Dollar. Trotz der klaren Erholung ist umstritten, ob es sich bereits um eine Trendwende handelt. Einige Analysten sehen vor allem einen liquiditätsgetriebenen Sprung und keinen bestätigten neuen Ausbruch. Andere verweisen darauf, dass Bitcoin die 200-Wochen-Linie mehrfach verteidigt habe und der wöchentliche RSI eine Divergenz zeige – Bedingungen, die in der Vergangenheit häufig nahe zyklischer Tiefs auftraten. Als nächster Impulsgeber gilt die Fed-Sitzung am 16.–17. Juni. Sollten die Währungshüter den Inflationsdruck weiter betonen, könnten Risikoanlagen trotz des jüngsten Ölpreisrückgangs unter Druck bleiben. Für Bitcoin gilt: Fällt der Kurs erneut unter 65.000 US-Dollar, könnte die jüngste Ausbruchsstruktur beschädigt werden; dann würde der Bereich von 63.200 bis 64.000 US-Dollar möglicherweise wieder zur zentralen Unterstützungszone.