Bitwise-CIO Matt Hougan: Krypto ist nicht mehr der "Star der Party"
Der Markt für Kryptowährungen sei derzeit "brutal", und digitale Assets seien nicht mehr der "Star der Party", schrieb Bitwise-Chefanlagestratege Matt Hougan in einem aktuellen Memo. Krypto entwickle sich zunehmend zu einem konträren Investment, das Geduld, einen langen Atem und den Blick auf Fundamentaldaten erfordere.
Hougan nennt drei Einflussfaktoren. Erstens fällt es dem Sektor, neue Begeisterung bei Anlegern zu entfachen: Die Kurse stehen unter Druck, die Dynamik lässt nach. Bitcoin liegt seit Jahresbeginn 24% im Minus, Ethereum 36%, Solana 40% und XRP 32%. Parallel dazu verzeichneten Exchange-Traded Funds Mittelabflüsse, und die Spot-Handelsvolumina seien auf den niedrigsten Stand seit Jahren gesunken.
Einen Teil der Schwäche erklärt Hougan mit der starken Kapitalverlagerung in KI-Themen. Investoren bevorzugten zunehmend Chancen rund um künstliche Intelligenz, darunter KI-Aktien, Robotikunternehmen sowie private Firmen wie SpaceX. Zur Einordnung verweist Hougan darauf, dass der Nasdaq-100 im Jahresvergleich um 43% zugelegt hat. Die Dominanz des KI-Trades zwinge Krypto, sich von einem Momentum-Trade, der von Euphorie lebt, hin zu einem "Contrarian Bet" zu wandeln. Das erkläre auch, warum Anleger stärker auf Umsätze achten und Projekte mit klaren Fundamentaldaten bevorzugen, etwa Hyperliquid. Krypto verschwinde nicht, so Hougan, verändere aber, welche Investoren und Projekte belohnt werden.
Zweitens belastet nach seiner Einschätzung die Unsicherheit um den sogenannten Clarity Act. Der Gesetzentwurf zur Marktstruktur soll in den USA einen umfassenden Regulierungsrahmen für Kryptowährungen schaffen. Zwar habe die Vorlage zuletzt eine Hürde im Senat genommen, doch das Prognoseportal Polymarket bewertet die Wahrscheinlichkeit einer Verabschiedung bis Jahresende derzeit nur mit 55%. Gesprächspartner aus Washington hätten die Chancen sogar lediglich auf 5% bis 30% taxiert. Diese Unklarheit schrecke institutionelle Investoren ab, die alternativ in stark steigende KI-bezogene Assets umschichten könnten oder bei Krypto das Risiko eines regulatorischen Rückschlags einkalkulieren müssten. Hougan argumentiert, dass großkapitalisierte Krypto-Assets kaum eine nachhaltige Rally sehen dürften, solange die Unsicherheit anhält. Entscheidend sei weniger das Ergebnis als eine Klärung: Krypto könne sich sowohl an eine Verabschiedung als auch an ein Scheitern anpassen, tue sich aber schwer, wenn der Ausgang offen bleibt.
Drittens sieht Hougan einen strukturellen Unterschied zu früheren Bärenmärkten. Statt in Bitcoin zu rotieren, flösse Kapital eher in kleinere, weniger etablierte Kryptowährungen mit "glaubwürdigen Fundamentaldaten". Er verweist auf Ein-Monats-Gewinne von 73% bei Hyperliquid, 50% bei Zcash und 44% bei Stellar, obwohl größere Assets gefallen sind. Diese Rotation spreche dafür, dass Fundamentaldaten an Bedeutung gewinnen und der Markt sich vom momentumgetriebenen Handel entfernt. Das könne bedeuten, dass der Markt "näher am Ende dieses Winters als am Anfang" sei – auch wenn die nächsten Wochen "schmerzhaft" bleiben könnten.
Nicht alle Analysten teilen diese Einschätzung. Der Analyst Doctor Profit warnt wiederholt, dass das Schlimmste noch bevorstehen könnte. Er erwartet, dass Bitcoin in eine Kapitulationsphase unterhalb von 60.000 US-Dollar rutscht und letztlich zwischen 40.000 und 50.000 US-Dollar seinen Boden findet – im Zeitraum September bis Oktober 2026. Der CEO von CryptoQuant, Ki Young Ju, hält es zudem für möglich, dass sich der aktuelle Bärenmarkt bis Anfang 2027 hinzieht.
Der Beitrag "Crypto Is No Longer the ’Belle of the Ball,’ Warns Bitwise’s Matt Hougan" erschien zuerst auf CryptoPotato.