Brasilien sperrt Polymarket und Kalshi – schärferes Vorgehen gegen Prognosemärkte
Brasilien hat den Zugang zu Prognosemarkt-Plattformen wie Polymarket und Kalshi gesperrt und nach Angaben der Regierung insgesamt 27 Anbieter blockiert; andere Berichte sprechen von bis zu 28 Plattformen. Hintergrund ist eine neue bundesweite Regelung, die ereignisbasierte Prognose- und Derivatekontrakte untersagt, wenn sie an Wahlen, Sport, Unterhaltung oder andere reale Ereignisse ohne finanziellen Bezug geknüpft sind.
Finanzminister Dario Durigan erklärte, die betroffenen Plattformen hätten außerhalb der vom Kongress verabschiedeten Wettgesetze operiert und seien im Land nicht legal reguliert. Nutzer in Brasilien berichteten nach Inkrafttreten der Anordnung, dass Polymarket und Kalshi nicht mehr erreichbar seien.
Die Regierung stellt die Maßnahme als Verbraucherschutz dar. Steigende private Verschuldung und Verluste durch Online-Glücksspiel gelten als wachsende Probleme. Präsident Luiz Inacio Lula da Silva hatte die finanzielle Belastung vieler Haushalte bereits mit der schnellen Verbreitung digitaler Wettangebote in Verbindung gebracht. Durigan kündigte an, die Durchsetzung werde verschärft, um die sozialen Schäden unregulierten Glücksspiels zu begrenzen. Kabinettschefin Miriam Belchior sagte, es gehe darum, Einkommen zu schützen, finanzielle Verluste zu verhindern und die Anfälligkeit für riskantes Finanzverhalten zu reduzieren.
Die Banco Central do Brasil untersagt per Resolution Derivate, deren Wert von Sportereignissen, virtuellem Gaming, politischen Ergebnissen oder anderen realen Ereignissen abhängt, die nicht an wirtschaftliche oder finanzielle Referenzgrößen gekoppelt sind. Damit trifft die Regel das Kernmodell vieler Prognosemärkte, bei dem Kontrakte auf das Eintreten bestimmter Ereignisse gehandelt werden. Märkte zu Wahlen, Sportresultaten, gesellschaftlichen Ereignissen und Entertainment-Ausgängen sind im neuen Rahmen verboten. Spielraum bleibt für Produkte mit klaren Finanzdaten: Kontrakte, die an zugelassene Benchmarks gebunden sind, können weiter möglich sein, sofern die Wertpapieraufsicht CVM sie freigibt.
Die Entscheidung fällt in eine Phase, in der der Börsenbetreiber B3 sein Derivateangebot ausbaut. B3 bestätigte sechs neue Kontrakte, die am 27. April starten und an den Aktienindex Ibovespa, den brasilianischen Real und Bitcoin gekoppelt sind. Eventbasierte Märkte hatte die Börse ebenfalls geprüft, darunter wahlbezogene Produkte. Dieser Weg ist nun versperrt, da die Resolution Kontrakte zu politischen oder Wahl-Ausgängen ausdrücklich untersagt.
Das gewinnt mit Blick auf die Präsidentenwahl im Oktober zusätzlich an Bedeutung. Frühere Umfragen sahen Präsident Lula und Senator Flavio Bolsonaro in einem engen Rennen.
Brasilien reiht sich in eine wachsende Zahl von Ländern ein, die gegen Prognosemärkte vorgehen. Polymarket war bereits in Frankreich, Portugal, Belgien, Italien, Singapur, Australien und dem Vereinigten Königreich mit Beschränkungen oder Verboten konfrontiert.
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