CFTC-Chef Selig prägt US-Kryptopolitik als einziger Kommissar
CFTC-Chairman Michael Selig steuert derzeit maßgeblich die US-Aufsicht über Krypto-Derivate. Der Behördenchef ist seit weniger als sechs Monaten im Amt und trifft Entscheidungen allein: Von der Regulierung von Plattformen wie Kalshi und Polymarket über Öl-Futures bis hin zum gesamten rund 2 Billionen US-Dollar großen Kryptomarkt. Hintergrund ist, dass die gesetzlich als fünfköpfige, parteiübergreifend besetzte Kommission vorgesehenen CFTC derzeit nur einen amtierenden Commissioner hat.
In seiner kurzen Amtszeit hat Selig den ersten regulierten Bitcoin-Perpetual-Futures-Kontrakt genehmigt, Schritte eingeleitet, um einen Bidenera-Vergleich mit Gemini aufzuheben, mehrere Krypto-Durchsetzungsmaßnahmen zurückgefahren und mehrere Bundesstaaten herausgefordert, die härter gegen Prediction Markets vorgehen wollen.
Aus der Kryptobranche kommt Zuspruch. Chris Perkins von 250 Digital Asset Management nannte Seligs Arbeit "God's work". Auch Donald Trump lobte ihn auf Truth Social. Die Winklevoss-Zwillinge sollen zudem den Weg für Seligs Nominierung geebnet haben, nachdem sie Bedenken gegen Trumps ursprünglichen Kandidaten geäußert hatten.
An der Wall Street fällt die Reaktion verhaltener aus. CME-Group-CEO Terrence Duffy warnte vergangene Woche auf CNBC nach der Genehmigung von Krypto-Perpetual-Futures: "This could be a disaster waiting to happen." In der Folge geriet die CME-Aktie unter Druck.
Intern zeichnet sich ein angespanntes Bild ab. Ein halbes Dutzend aktuelle und ehemalige CFTC-Vertreter berichten, die Behörde tue sich schwer; die Mitarbeitermoral sei "decimated". Neue Abfindungsangebote beschleunigten Abgänge aus der Division of Market Oversight, die für die Überwachung von Derivatebörsen zuständig ist. Ein derzeitiger Offizieller sagte, der CFTC fehle schlicht die operative Kapazität, um das wachsende Kryptomandat zu bewältigen.
Politisch wächst der Druck. Ausschussvorsitzende aus Republikanern und Demokraten, die die CFTC beaufsichtigen, forderten Trump auf, weitere Kommissare zu nominieren. Auch Demokraten drängen im Rahmen laufender Verhandlungen zu einem Krypto-Gesetz auf zusätzliche Ernennungen. Senatorin Elissa Slotkin sagte: "We've got one guy who has clear leanings toward the industry. I've got a problem with that." Selig erklärte, er begrüße zusätzliche Commissioners, arbeite aber bis dahin unverändert weiter.
Im Fokus steht zudem der CLARITY Act, der im Senat vorankommt und der CFTC formell erweiterte Befugnisse über Kryptomärkte übertragen würde. Das könnte Selig zu einem der einflussreichsten Finanzaufseher in Washington machen. Ob diese Autorität faktisch bei einer Ein-Personen-Kommission oder bei einer voll besetzten, parteiübergreifenden Behörde liegt, dürfte die US-Kryptoregulierung für Jahre prägen.
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