Fed belässt Zinsen unverändert – Inflationsprognose zieht deutlich an
Die US-Notenbank Federal Reserve hat am Mittwoch einstimmig beschlossen, den Leitzins in der Spanne von 3,50% bis 3,75% zu belassen. Es ist die vierte Sitzung in Folge ohne Zinsschritt. Die aktualisierten Konjunktur- und Inflationsprojektionen fielen spürbar anders aus, als es viele Marktteilnehmer zuvor eingepreist hatten. Beim von der Fed bevorzugten Inflationsmaß, dem PCE-Index, stieg die Prognose für 2026 von 2,7% auf 3,6%.
Neuer Vorsitz, neuer Ton: Für Kevin Warsh war es die erste FOMC-Sitzung als Vorsitzender. Er folgt auf Jerome Powell, der nun als Governor dem Board angehört. Die Erklärung nach der Sitzung wurde merklich gestrafft; Formulierungen, die zuvor auf eine Neigung zu kurzfristigen Zinssenkungen hindeuteten, wurden vollständig gestrichen.
Der Beschluss fiel mit 19"0 Stimmen. Von den 19 Entscheidungsträgern rechnen inzwischen 9 bis Jahresende mit mindestens einer Zinserhöhung, 6 davon erwarten zwei oder mehr Schritte. Für einen Markt, der große Teile des Jahres 2025 noch im Zeichen von insgesamt 75 Basispunkten an Zinssenkungen gefeiert hatte, bedeutet das eine deutliche Stimmungswende.
Als Haupttreiber der höheren Inflationssicht verweist die Fed auf Energiepreise. Anhaltende geopolitische Spannungen im Nahen Osten halten den Ölpreis auf erhöhtem Niveau; der Kostendruck schlägt laut Fed zunehmend auf das breitere Inflationsbild durch. Viele Ökonomen gehen weiterhin davon aus, dass der Federal Funds Rate bis 2026 in der aktuellen Spanne bleibt.
Für Anleger waren die Signale schnell am Markt zu erkennen: Aktien gaben nach, da die Aussicht auf länger hohe oder sogar steigende Finanzierungskosten die Bewertungen belastete. Anleihemärkte passten die Erwartungen an und preisten stärker ein, dass der nächste Zinsschritt nach oben gehen könnte. Der US-Dollar legte zu. Auch Gold bewegte sich, nachdem Investoren ihre Risikopositionierung neu austariert hatten.
Die Zinssenkungen um 75 Basispunkte Ende 2025 hatten riskanten Anlagen Rückenwind gegeben. Eine Umkehr dieser Lockerung – oder bereits die glaubwürdige Drohung damit – nimmt einen zentralen Stützpfeiler weg.