Indien verankert die E-Rupie im 80-Milliarden-Dollar-Sozialsystem und will CBDC-Nutzung ankurbeln
Indiens Vorstoß mit der digitalen Zentralbankwährung gewinnt an Kontur: Die E-Rupie soll nicht länger auf freiwillige Nutzung setzen, sondern in Systeme integriert werden, die bereits zum Alltag vieler Menschen gehören.
Im Mittelpunkt der aktuellen CBDC-Rollouts stehen Sozialleistungen. Die Reserve Bank of India (RBI) betreibt rund 10 Pilotprojekte, die die digitale Währung in Teile des etwa 80 Mrd. US-Dollar schweren Subventionssystems einbinden. Ziel ist es, Mittelabflüsse und Missbrauch zu reduzieren und zugleich die tatsächliche Nutzung zu erhöhen.
Ein Bericht nennt als Beispiel das Dorf Phulenagar im Bundesstaat Maharashtra: Dort erhalten Landwirte Zuschüsse von bis zu 80% der Kosten für Tröpfchenbewässerung, die Auszahlungen sind an genehmigte Anbieter gebunden. In Gujarat richtet sich ein Pilotprogramm an alle 7,5 Millionen Haushalte, die Anspruch auf subventionierte Lebensmittel haben. Über kontrollierte Transfers soll die Reichweite ausgebaut und die Skalierbarkeit unter realen Bedingungen getestet werden.
Trotz wachsender Nutzerzahl bleibt die Nutzungslücke groß. Die Zahl der Nutzer sei von rund 7 Millionen Anfang des Jahres auf etwa 10 Millionen gestiegen, das kumulierte Transaktionsvolumen seit dem Start 2022 liege aber erst bei rund 3,6 Mrd. US-Dollar. Zum Vergleich: Indiens bestehende digitale Zahlungsinfrastruktur ist deutlich größer. Das Unified Payments Interface (UPI) verarbeitet monatlich nahezu 300 Mrd. US-Dollar.
Ob die Lücke geschlossen werden kann, hängt weniger von zusätzlichem Zugang ab als davon, ob die E-Rupie einen Mehrwert bietet, den Nutzer nicht bereits über andere Kanäle erhalten.
Weltweit laufen inzwischen in rund 49 Ländern Pilotprogramme, nur wenige sind bereits in den Regelbetrieb übergegangen. Indiens Initiative startete 2022 und hat noch nicht den Status eines ausgereiften Systems erreicht. Der neue Schub passt in einen globalen Trend: Regierungen testen programmierbares Geld für zweckgebundene Auszahlungen wie Subventionen und Hilfsleistungen.
Kurzfazit: Indien verankert die E-Rupie im 80-Mrd.-US-Dollar-Sozialsystem. Trotz 10 Millionen Nutzern liegt die CBDC-Aktivität weiterhin deutlich hinter etablierten digitalen Zahlungssystemen zurück.