Bank of Japan vor Zinsschritt auf 31-Jahres-Hoch – Krypto-Märkte blicken nach Tokio

Die Bank of Japan (BOJ) steht vor einem Schritt, den es seit mehr als drei Jahrzehnten nicht mehr gegeben hat: Bei der geldpolitischen Sitzung am 15.–16. Juni wird die Notenbank laut Markterwartung den Leitzins auf 1% anheben – ein Niveau wie zuletzt 1995. Konkret würde das Ziel für den unbesicherten Overnight-Call-Rate von 0,75% auf 1% steigen. Die letzte Anhebung erfolgte im Dezember 2025, als die BOJ den Satz auf 0,75% erhöhte. Auslöser sind anhaltende Inflationskräfte. Die Yen-Schwäche verteuert Importe, zugleich treiben höhere Energiekosten die Preise – auch vor dem Hintergrund fortbestehender geopolitischer Spannungen im Nahen Osten. An den Märkten gilt der Zinsschritt weitgehend als eingepreist. Eine Reuters-Umfrage zeigt: 94% der befragten Ökonomen rechnen mit der Anhebung im Juni. In der Marktpreisbildung liegt die implizite Wahrscheinlichkeit bei über 80%. Einige Prognosen gehen zudem von einem weiteren Schritt auf 1,25% vor Ende 2026 aus. Für zusätzliche Aufmerksamkeit sorgt die Führungssituation: BOJ-Gouverneur Kazuo Ueda soll die Juni-Sitzung aus gesundheitlichen Gründen voraussichtlich verpassen. Damit würde Vizegouverneur Shinichi Uchida die Sitzung leiten. Neben der Zinsentscheidung dürfte er auch die Forward Guidance neu justieren – mit der Möglichkeit, einen Teil der zuletzt eher restriktiven Signale abzuschwächen. Für Krypto-Trader ist die BOJ-Politik relevant, weil Japans Niedrigzinsumfeld lange als wichtiger Liquiditätsfaktor im globalen Finanzsystem galt. Über Jahre war der Yen eine bevorzugte Finanzierungswährung für Carry Trades: günstig in Yen aufnehmen, Kapital in höher verzinsliche Anlagen umschichten – einschließlich Krypto. Frühere BOJ-Zinserhöhungen fielen in einzelnen Fällen mit spürbaren Bitcoin-Rückgängen zusammen; nach Straffungsschritten wurden teils Kursverluste von 20–30% beobachtet. Besonders präsent ist vielen Marktteilnehmern der Juli 2024: Eine unerwartete Zinserhöhung setzte eine Auflösung von Yen-Carry-Trades in Gang und löste eine Kettenreaktion bei globalen Risikoanlagen aus – Bitcoin blieb nicht verschont.