SEC schlägt Regeländerungen zur Förderung tokenisierter Aktien vor

Die US-Börsenaufsicht SEC will zwei zentrale Vorgaben des National Market System (NMS) streichen. Marktbeobachter sehen darin einen möglichen Impuls für tokenisierte US-Aktien und deren Einbindung in DeFi-Anwendungen. Nach Einschätzung von Alex Thorn, Research-Leiter bei Galaxy Digital, könnten damit regulatorische Hürden fallen, die automatisierten Market Makern (AMMs) und dezentralen Börsen bislang den Handel mit tokenisierten US-Equities erschweren. Konkret geht es um Rule 611 und Rule 610(e). Rule 611 untersagt sogenannte "Trade-throughs" und verlangt, dass Aktienorders zum besten verfügbaren Preis über alle Börsenplätze hinweg ausgeführt werden. Rule 610(e) verbietet Börsen, Kursofferten anzuzeigen, die gleich schlecht oder schlechter sind als bereits anderswo verfügbare Quotes. Analysten zufolge kollidiert dieses Regelwerk seit Jahren mit blockchainbasierten Handelsmodellen. Thorn bezeichnete den Vorstoß als eine der bislang bedeutendsten Entwicklungen für tokenisierte Aktien. AMMs, die in vielen dezentralen Börsen zum Einsatz kommen, bilden Preise über Liquiditätspools statt über klassische Orderbücher. Transaktionen erfolgen zum jeweils im Pool geltenden Preis, auch wenn an anderer Stelle ein besseres Angebot existieren könnte. Damit könnten AMM-Modelle bei tokenisierten Aktien unter dem aktuellen Rahmenwerk fortlaufend gegen die Trade-through-Anforderungen verstoßen, weil sie Orders nicht marktweit prüfen und an den besten Ausführungspreis weiterleiten können. Aus Sicht von Thorn nährt das das Risiko, dass solche Plattformen als außerhalb der geltenden Wertpapierregeln operierend eingestuft werden. Die Problematik betrifft nicht nur die Ausführung, sondern auch die Kursanzeige. Da sich AMM-Preise durch Interaktionen mit den Liquiditätspools kontinuierlich verändern, können sie mit Anzeigevorgaben kollidieren, die Investoren die besten verfügbaren Marktpreise sichern sollen. Thorn erwartet, dass die SEC das bestehende Konstrukt durch einen breiter gefassten "Best Execution"-Standard ersetzen könnte. Das würde dezentralen Handelsmodellen mehr Spielraum geben, ohne den Anlegerschutz aufzugeben. Der Vorschlag ist Teil der SEC-Agenda zur Modernisierung der Marktregulierung und zur Berücksichtigung neuer Blockchain-Technologien. Die Behörde startete 2025 "Project Crypto" mit dem Ziel, klarere Regeln für digitale Vermögenswerte und blockchainbasierte Finanzinfrastruktur zu entwickeln. Der Entwurf liegt nun für 60 Tage zur öffentlichen Stellungnahme aus, bevor die SEC eine finale Entscheidung trifft.