SEC schlägt Regeländerungen vor – Rückenwind für tokenisierte Aktien möglich

Laut CoinDesk hat die US-Börsenaufsicht SEC am 11. Juni Änderungen an ausgewählten Vorschriften der Regulation NMS vorgeschlagen. Ziel ist es, bestimmte strukturelle Beschränkungen im Aktienhandel abzubauen. Marktteilnehmer sehen den Vorstoß zwar primär auf den klassischen Aktienmarkt ausgerichtet, erwarten aber auch Entlastung bei Compliance-Hürden für tokenisierte Aktien, die onchain gehandelt werden. Konkret will die SEC zwei zentrale Restriktionen streichen und die Rules 611 und 610(e) aufheben. SEC-Chef Paul Atkins erklärte, die bisherigen Regeln hätten die Markteffizienz in den vergangenen zwei Jahrzehnten nicht durchgängig verbessert. Stattdessen seien die Handelskosten teils gestiegen und die Weiterentwicklung der Marktstruktur eingeschränkt worden. Rule 610(e) begrenzt vor allem Crossmarket-Quoting, Rule 611 verpflichtet Handelsplätze, Orders nicht zu Preisen auszuführen, die unter anderen geschützten Quotes liegen. Mit den Anpassungen soll die Marktstruktur vereinfacht werden, damit Wettbewerb und Innovation im Aktienhandel stärker wirken können. Galaxy Digital erwartet, dass insbesondere die Compliance-Belastung für Automated Market Maker (AMMs) sinken könnte. Alex Thorn, Research Head bei Galaxy Digital, bezeichnete Rule 611 als eine der wichtigsten Hürden, die tokenisierte US-Aktien bislang vom DeFi-Handel fernhielten. AMMs matchen Trades über Pool-Preise und Slippage-Mechanismen, was sich nur schwer mit klassischen Best-Execution-Anforderungen vereinbaren lässt. Sollte die SEC den Vorschlag am Ende verabschieden, könnte sich der Spielraum für den Handel tokenisierter Aktien über DeFi-Frontends und onchain Liquiditätspools deutlich vergrößern. Aus Sicht von Galaxy passt der neue Rahmen eher zu onchain Handelsmodellen wie AMMs, die unter den bisherigen Regeln kaum abbildbar waren. Offen bleiben zentrale Fragen rund um Clearing, Settlement und Registrierung. Galaxy betont, dass der Vorschlag nicht alle Probleme auf einmal löst: Selbst bei einer Aufhebung von Rule 611 müssten tokenisierte Aktien weiterhin praktische Hürden bei Abwicklung, Verwahrung und der Anbindung an relevante Handelsplätze überwinden. Thorn geht davon aus, dass diese Themen langfristig im Rahmen der von der SEC so bezeichneten "innovation exemption" adressiert werden könnten. Der Plan wurde jedoch im vergangenen Monat wegen Widerstands traditioneller Finanzinstitute verzögert; der weitere Fortgang bleibt zu beobachten. Der Markt für tokenisierte Aktien wächst derweil weiter. Die aktuelle Marktgröße liegt bei rund 3,5 Mrd. US-Dollar. Das monatliche Transaktionsvolumen nähert sich 5 Mrd. US-Dollar, die Zahl der Halteadressen liegt bei etwa 357.000. Den berichteten Daten zufolge ist das Segment im vergangenen Monat um rund 44% gewachsen. Das deutet darauf hin, dass sich Handel und Distribution tokenisierter Aktien onchain bei weiter nachlassenden regulatorischen Beschränkungen nochmals beschleunigen könnten.