Lummis weist Dimons "irreführende" Kritik am Clarity Act zurück – Streit um Stablecoin-Renditen eskaliert

US-Senatorin Cynthia Lummis hat JPMorgan-Chase-Chef Jamie Dimon scharf für dessen öffentliche Aussagen zum Digital Asset Market Clarity Act ("Clarity Act") kritisiert. Die Vorsitzende des Banking-Subcommittees für Digital Assets im US-Senat sagte gegenüber CNBC, Dimons Kommentare seien "wirklich geschmacklos". Er habe das Gesetz entweder nicht gelesen oder versuche, die Öffentlichkeit in die Irre zu führen. Auslöser war ein CNBC-Interview, in dem Dimon nicht nur die Gesetzesinitiative angriff, sondern auch Coinbase-CEO Brian Armstrong persönlich attackierte. Wörtlich erklärte Dimon, "niemand werde sich vor Armstrong oder Coinbase verbeugen", bezeichnete Armstrong als "full of sh–" und monierte, der Clarity Act lasse "große Lücken" beim Verbraucherschutz. Inhaltlich zielte Dimons Hauptkritik darauf, dass der Gesetzentwurf Kryptounternehmen ermögliche, zinsähnliche Vergütungen auf Einlagen, Stablecoins oder vergleichbare Produkte zu zahlen, ohne denselben Schutzmechanismen zu unterliegen wie Banken. Zudem bemängelte er aus seiner Sicht unzureichende Vorgaben zu Anti-Money-Laundering (AML) und zum Bank Secrecy Act (BSA). Lummis wies diese Darstellung zurück. AML- und BSA-Pflichten gälten bereits für digitale Vermögenswerte; der Clarity Act nehme diese Anforderungen ausdrücklich auf. Die persönlichen Angriffe Dimons auf Armstrong bezeichnete sie als unangemessen und irreführend. Im Kern dreht sich die Auseinandersetzung um die Frage, ob Krypto-Plattformen Renditen auf Stablecoins und andere Zahlungstoken ausschütten dürfen. Bankenverbände warnen, Kryptoanbieter könnten so Kundengelder anziehen, ohne den gleichen Sicherheitsrahmen wie bei versicherten Bankeinlagen erfüllen zu müssen. Die American Bankers Association forderte den Senat im Mai auf, eine von ihr als Schlupfloch bezeichnete Möglichkeit zu schließen, die es Digital-Asset-Dienstleistern erlauben könnte, Beschränkungen bei Zins- oder Renditezahlungen auf Payment-Stablecoins zu umgehen. Die Gruppe verwies dabei auch auf frühere Gesetzesvorhaben wie den GENIUS Act. Ein juristisches Briefing der Kanzlei Davis Wright Tremaine hält fest, dass der Senate Banking Committee den Digital Asset Market Clarity Act am 14. Mai 2026 vorangebracht hat. Der Entwurf umfasst demnach Regelungen zu illegaler Finanzkriminalität, DeFi, Grenzen für Stablecoin-Renditen, Tokenisierungsstandards, Schutz für Entwickler, Vorschriften zur Verwahrung bzw. Kundeneigentum sowie Insolvenzsicherungen. Ziel sei es, mehr Klarheit in eine fragmentierte Debatte um Marktstrukturen zu bringen. Politisch erhielt das Thema zusätzliche Schärfe, als Moderator Andrew Ross Sorkin Lummis im Interview zu finanziellen und politischen Verbindungen in die Kryptoindustrie befragte. Lummis entgegnete, es sei üblich, dass Abgeordnete bei branchenspezifischer Gesetzgebung Spenden von betroffenen Interessengruppen erhalten. Sie gilt weiterhin als zentrale Fürsprecherin von Krypto im Kongress: 2024 erklärte sie, sie arbeite an einer pro-krypto Koalition, nachdem der frühere Präsident Donald Trump begonnen hatte, Krypto-Spenden anzunehmen. Coinbase zählt inzwischen zu den größten politischen Geldgebern der Branche und gewinnt damit an Einfluss, während Washington abwägt, ob die Aufsicht über die Marktregeln primär bei Wertpapier- oder bei Bankenaufsichtsbehörden liegen soll. Der Schlagabtausch zwischen Dimon und Lummis unterstreicht die hohen politischen Einsätze und die wachsenden persönlichen Spannungen in der US-Kryptodebatte. Der Gesetzgeber steht vor der Aufgabe, Verbraucherschutz, Finanzstabilität und Innovation auszubalancieren – und zugleich dem Druck von Banken, Krypto-Unternehmen und einflussreichen politischen Spendern standzuhalten, wenn es um die Regulierung von Stablecoin-Renditen und verwandten Produkten geht.