US-CLARITY-Act gerät ins Stocken: Streit um Verbot von Stablecoin-Prämien spitzt sich zu

Der Streit um ein mögliches Verbot passiver Erträge auf Stablecoins gewinnt in Washington an Tempo. Während US-Abgeordnete vor der nächsten Frist im Kongress an einem Abschluss der Krypto-Regulierung arbeiten, drängen Banken auf strikte Grenzen für renditetragende Stablecoins. Kryptounternehmen warnen, ein solcher Schritt könnte die Akzeptanz bremsen. Im Zentrum steht der marktstrukturpolitische Gesetzentwurf "CLARITY Act", der nach dem Scheitern von Verhandlungen im Senat vorerst festhängt. Das vom Präsidenten unterstützte Paket soll umfassende Regeln für den US-Kryptomarkt schaffen, darunter klarere Kategorien für digitale Vermögenswerte. Knackpunkt ist die Frage, ob Anbieter von dollar-gebundenen Stablecoins Erträge an Nutzer weitergeben dürfen. Bankenverbände werben bei Gesetzgebern dafür, Stablecoin-Prämien zu untersagen, die faktisch Einlagenzinsen ähneln. Zum Vergleich: Klassische Sparkonten liegen derzeit bei etwa 0,01% bis 0,50% pro Jahr, während einige Krypto-Plattformen für Stablecoin-Einlagen wie USDC rund 3,5% bis 4% anbieten. Aus Sicht der Banken könnte diese Differenz Einlagen aus dem traditionellen Finanzsystem abziehen. Die Debatte berührt eine Grundsatzfrage: Sollen dollar-gekoppelte Stablecoins ausschließlich für Zahlungen und Abwicklung genutzt werden, oder dürfen sie direkt mit Bankkonten und Geldmarktfonds konkurrieren, indem sie Renditen bieten? Ein Verbot passiver Rewards könnte die Beteiligung von Privatanlegern dämpfen. Viele Nutzer halten Stablecoins, um während der Wartezeit auf Trading-Chancen eine laufende Rendite zu erzielen. Fällt dieser Anreiz weg, könnte die Nachfrage nach On-Chain-Dollar sinken und die Liquidität auf Krypto-Plattformen leiden. Auch Krypto-Börsen stehen unter Druck. Anbieter wie Coinbase, Kraken und Gemini profitieren bislang von Stablecoin-Beständen, unter anderem über Zinsbeteiligungen und Treasury-Strategien. Sinkende Einlagen würden sich auf Umsatz und Aktivität der Plattformen auswirken. Zudem könnte sich die Verbreitung von Stablecoins verlangsamen, da renditetragende Varianten in volatilen Marktphasen als Möglichkeit gelten, in stabilen Assets zu parken und dennoch Erträge zu erzielen. Trotzdem erwartet die Branche Anpassungen. Krypto-Unternehmen haben in der Vergangenheit vergleichbare Einschränkungen häufig durch Umbau von Reward-Programmen abgefedert. Statt direkter Zinszahlungen könnten verstärkt aktivitätsbasierte Anreize treten, etwa Handelsboni, Zahlungsanreize oder Vergütungen für Liquiditätsbereitstellung. Zusätzlich gilt es als möglich, dass Yield-Angebote bei zunehmendem regulatorischem Druck in Märkte außerhalb der USA verlagert werden. Viele Marktteilnehmer betonen, dass die übergeordnete Regulierungsklarheit entscheidender sein dürfte. Der CLARITY Act soll digitale Commodities und Wertpapiere definieren und damit das Risiko von Durchsetzungsmaßnahmen verringern. Selbst bei Einschränkungen passiver Rewards könnten eindeutigere Regeln langfristig Wachstum und Innovation im US-Kryptomarkt stützen.