Visa und WeFi starten Stablecoin-Zahlungstest in Europa, Asien und Lateinamerika
Visa will Stablecoins aus dem reinen Abwicklungsprozess heraus näher an den Endkunden bringen. Das Kartennetzwerk kündigte ein Pilotprojekt mit WeFi an, das "On-Chain-Banking" im Alltag erproben soll: Selbstverwahrte, fiat-besicherte Stablecoins sollen in ausgewählten Ländern in Europa, Asien und Lateinamerika zur Finanzierung gewöhnlicher Kartenzahlungen genutzt werden.
Die Zusammenarbeit, die über Chainwire bekannt gemacht wurde, soll zeigen, "wie On-Chain-Werte im bestehenden regulatorischen Rahmen mit vertrauten Zahlungserlebnissen zusammenwirken können". WeFi steuert dafür eine Infrastruktur bei, die DeFi-native Vermögenswerte mit Visas Händlernetz verbindet.
Im Unterschied zu klassischen Krypto-Kartenmodellen, bei denen Guthaben auf Börsen verwahrt werden, versteht sich WeFi als Orchestrierungsschicht. Nutzer sollen ihre Assets in Selbstverwahrung (oder in einem Hybridmodell) halten können und dennoch regulierte Zahlungsrails für Ausgaben und grenzüberschreitende Anwendungsfälle nutzen. WeFi-Mitgründer und Group CEO Maksym Sakharov sieht darin eine Antwort auf die Nachfrage nach Geld, das "nahtlos über Grenzen hinweg funktioniert, ohne unnötige Komplexität".
Der Rollout erfolgt schrittweise nach Regionen und startet in ausgewählten Märkten in Europa, Asien und Lateinamerika. Voraussetzung sind lokale regulatorische Genehmigungen sowie Partnerschaften mit Kartenemittenten. Zum Start liegt der Schwerpunkt auf regulierten, fiat-besicherten Stablecoins für Alltagszahlungen; weitere digitale Assets könnten später folgen.
Für Visa knüpft die Kooperation an ein bereits laufendes Stablecoin-Settlement-Programm an. Im April teilte das Unternehmen mit, fünf zusätzliche Blockchains in den globalen Stablecoin-Settlement-Piloten aufgenommen zu haben; damit werden insgesamt neun Chains unterstützt. Visa bezifferte die annualisierte Settlement-Run-Rate über Stablecoins auf rund 7 Mrd. US-Dollar, etwa 50% mehr als im Vorquartal.
Frühere Tests ermöglichten es Issuern und Acquirern, Verpflichtungen gegenüber Visa direkt in Circle's USDC zu begleichen, unter anderem über Netzwerke wie Solana. Zudem wurden grenzüberschreitende Unternehmenszahlungen erprobt, die durch Stablecoins statt durch vorpositionierte Fremdwährungslquidität finanziert werden.
Der neue Fokus auf die "Front-End"-Nutzung verschiebt die Perspektive: Visa und ein DeFi-nativer Partner untersuchen nicht nur, wie Banken untereinander abrechnen, sondern auch, wie Nutzer Werte auf Layer-2s und Sidechains halten, übertragen und ausgeben können, während Kartensysteme weiterhin Nutzererlebnis, Compliance und Händlerbeziehungen abdecken.
Gelingt der Test, könnte er den Trend beschleunigen, dass Kartennetzwerke und Fintechs zentrale Banking-Funktionen On-Chain neu aufsetzen. Traditionelle Banken würden sich dann stärker über KYC, Lizenzen und Bilanzfunktionen positionieren müssen, in einem Zahlungs-Stack, der zunehmend protokollbewusst wird.