SharpLink oder Bitmine: Welche Aktie bietet in der ETH-Schwäche das bessere Exposure?
KI-Marktzusammenfassung
Der Beitrag hebt hohe nicht realisierte Verluste bei zwei großen ETH-Treasury-Unternehmen sowie eine Bewertungslücke hervor: SharpLink handelt ca. 21% unter dem ETH-NAV, während Bitmine ca. 6% darunter liegt, was Unterschiede bei Liquidität, der Aggressivität der Finanzierung und der Kapitalstruktur (einschließlich der Vorzugsaktien-Dividende von Bitmine) widerspiegelt. Zudem werden Verschiebungen bei der Finanzierung auf Ökosystem-Ebene hervorgehoben, da sich Ethlabs inmitten von Budgetkürzungen bei der Ethereum Foundation formiert, was einen marginalen Governance-/Finanzierungsrisiko-Overhang für ETH-Narrative darstellt.
Einflussstufe
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Betroffene Assets
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Autor: Zhou, ChainCatcher
Der aktuelle ETH-Abverkauf trifft auch die beiden größten "Treasury"-Gesellschaften im Ethereum-Ökosystem: SharpLink und Bitmine sitzen beide auf Buchverlusten von mehr als 50%. SharpLink ist nach acht Monaten Pause wieder als Käufer aufgetreten und hat zuletzt 39.196 ETH zu durchschnittlich rund 3.609 US-Dollar eingesammelt. Daraus ergibt sich derzeit ein nicht realisierter Verlust von über 1,7 Mrd. US-Dollar. Bitmine baut seine Bilanz weiter aus: Der Bestand liegt bei 5,7 Mio. ETH, rund 4,7% des zirkulierenden ETH-Angebots, mit nicht realisierten Verlusten von mehr als 10 Mrd. US-Dollar.
Beide Titel sind in Russell-Indizes vertreten und zählen zu den Geldgebern des neu gegründeten Ethereum-Forschungsinstituts Ethlabs. Obwohl Einstandsniveaus und Kursrückgänge ähnlich ausfallen, unterscheiden sich die Bewertungsabschläge deutlich: SharpLink handelt mit rund 21% Abschlag auf den ETH-Nettoinventarwert, Bitmine nur mit etwa 6% – also mehr als dreimal so gering. Wer über Aktien indirekt auf ETH setzen will, muss weniger auf das bessere Narrativ schauen als auf harte Faktoren wie Einstandskosten, Finanzierungskraft, Liquidität und die Frage, ob sich Storys tatsächlich in Ergebnisse übersetzen.
Narrative und "Chips": institutionell vs. Reichweite
SharpLink setzt stark auf ein institutionelles Profil: Ethereum-Mitgründer Joe Lubin fungiert als Chairman, der frühere BlackRock-Manager für Digital Assets, Joseph Chalom, als Co-CEO. Seit dem Vorjahr treibt das Unternehmen Partnerschaften zur RWA-Tokenisierung voran und plant, SharpLinks eigenes Eigenkapital auf Ethereum zu tokenisieren. Hinzu kommen die Aufnahme in einen Russell-Index und kumulierte Erträge aus ETH-Staking – Faktoren, die einzeln betrachtet häufig als Argumente für einen Bewertungsaufschlag dienen.
Bitmines Vorteil liegt in der schieren Größe des ETH-Bestands und in der höheren öffentlichen Sichtbarkeit des Chairman Tom Lee. Zudem ist das Unternehmen in den Russell 1000 Index aufgenommen worden. Nach Angaben des Managements könne das Hunderte bis Tausende neuer institutioneller Investoren anziehen, da passive Fonds typischerweise 18% bis 20% der ausstehenden Aktien einer börsennotierten Gesellschaft halten.
Einstandspreise und Aktienkurs: ähnlich, aber andere Größenordnung
Die Kernfrage lautet: Wer hat günstiger gekauft? Laut SharpLink-Mitteilung vom 30. Juni erwarb das Unternehmen 10.000 ETH zu einem Durchschnittspreis von rund 1.611 US-Dollar und erhöhte den Gesamtbestand auf 886.725 ETH. Dieser setzt sich aus 632.719 nativen ETH, 181.299 ETH, die aus lsETH eingelöst werden können, sowie 72.707 ETH, die aus weETH eingelöst werden können, zusammen. Die durchschnittliche Kostenbasis liegt bei etwa 3.609 US-Dollar je ETH. Bei einem aktuellen Kurs um 1.650 US-Dollar ergibt sich ein nicht realisierter Verlust von rund 1,74 Mrd. US-Dollar bzw. etwa 54,3%.
Bitmine hielt per 28. Juni 2026 insgesamt 5.700.040 ETH, rund 4,7% des gesamten ETH-Angebots. Onchain-Daten zufolge liegt die durchschnittliche Kostenbasis bei etwa 3.400 US-Dollar je ETH; der nicht realisierte Verlust wird auf rund 11 Mrd. US-Dollar beziffert, entsprechend etwa 51,5%. Kostenbasis und prozentualer Rückgang sind damit vergleichbar. Der entscheidende Unterschied ist die Positionsgröße: Bitmines Bestand ist 6,4-mal so groß wie der von SharpLink, entsprechend fällt auch der absolute Buchverlust deutlich höher aus.
Auch an der Börse ähneln sich die Muster: kurzer Hype nach dem Listing, anschließend kontinuierlicher Rückgang, zuletzt Seitwärtsbewegung auf niedrigem Niveau. Zum Schlusskurs am 1. Juli fiel SharpLink von 124 US-Dollar auf etwa 5 US-Dollar (minus rund 96%). Bitmine sank von 160 US-Dollar auf etwa 14 US-Dollar (minus rund 91%). Die Marktkapitalisierung liegt bei SharpLink bei etwa 1,02 Mrd. US-Dollar, bei Bitmine bei rund 7,6 Mrd. US-Dollar.
Finanzierung und Liquidität: aggressives Tempo vs. Verwässerungsfalle
SharpLinks Finanzierung war bislang vor allem von fortlaufenden, kleinteiligen verwässernden Platzierungen geprägt. Über ATM-Programme wurde Kapital eingesammelt und schrittweise in ETH umgeschichtet – langsam, aber mit anhaltender Verwässerung. Die jüngste Wiederaufnahme der Käufe basiert vor allem auf einer im Vormonat abgeschlossenen Privatplatzierung über 75 Mio. US-Dollar: ausgegeben wurden 10.013.400 Stammaktien sowie die gleiche Anzahl an Warrants. Der Erlös ist explizit für Working Capital, weitere ETH-Käufe und Aktienrückkäufe vorgesehen. Zusätzlich versucht SharpLink die Rendite über Staking zu erhöhen; seit Start der ETH-Treasury-Strategie wurden 22.102 ETH an Staking-Rewards angesammelt.
Bitmine ging deutlich aggressiver vor. Laut 10x Research nahm das Unternehmen zwischen Juli 2025 und Mai 2026 über 50 Eigenkapitalplatzierungen insgesamt 19,2 Mrd. US-Dollar auf und verwendete das Kapital zum Kauf von rund 5,54 Mio. ETH. Im Vormonat begann Bitmine zudem, ein Vorgehen nach dem Vorbild der größten Bitcoin-Treasury-Gesellschaft zu übernehmen und Vorzugsaktien zu emittieren: Die Class A Perpetual Preferred Stock "BMNP" wurde für ein Listing an der New York Stock Exchange zugelassen. Der Verwaltungsrat genehmigte eine Bardividende von 0,1056 US-Dollar je Aktie, zahlbar am 10. Juli an Aktionäre mit Stichtag 30. Juni.
Die Aufnahme in Russell-Indizes stärkt die Kapitalmarktfähigkeit beider Unternehmen: SharpLink ist im Russell 3000 vertreten, Bitmine im selektiveren Russell 1000. Bitmine-Chairman Tom Lee betonte, viele aktiv gemanagte Fonds kauften ausschließlich Russell-1000-Werte. Zudem lägen typischerweise 20% bis 25% der Marktkapitalisierung einer einzelnen Aktie bei passiven Indexfonds oder ETFs. Solche passiven Zuflüsse verbessern Handelbarkeit und Nachfrage und stützen damit ein Geschäftsmodell, das auf fortlaufende Aktienemissionen angewiesen ist.
Am klarsten zeigt sich die Differenz in der Bewertung relativ zum Nettoinventarwert (mNAV): Laut den zuletzt von DefiLlama verfolgten Daten handelt SharpLink mit rund 21% Abschlag auf den ETH-NAV, Bitmine nur mit rund 6%. Ein tiefer Abschlag verstärkt den Druck bei weiteren Kapitalerhöhungen, weil zusätzliche Emissionen den Kurs weiter belasten können – ein negativer Kreislauf. Die achtmonatige Kaufpause bei SharpLink wurde maßgeblich damit erklärt.
Auch die Liquidität spricht für Bitmine: Die Aktie zählt seit Längerem zu den aktivsten Titeln in den USA, Tagesumsätze erreichen häufig Hunderte Millionen US-Dollar. SharpLink liegt beim täglichen Volumen etwa eine Größenordnung darunter. Für Investoren, die gezielt den Abschlag handeln wollen, ist das entscheidend: Spreads und Slippage können theoretische Discount-Gewinne schnell aufzehren.
Der Liquiditätsvorteil hat einen Preis. 10x Research beziffert Bitmines Gesamtverlust der vergangenen zwölf Monate auf rund 10,1 Mrd. US-Dollar. Darin enthalten sind nicht nur Buchverluste durch den ETH-Rückgang, sondern auch ein zusätzlicher Effekt: Anleger zahlten zeitweise einen Aufschlag über mNAV, der sich in Summe auf etwa 4,6 Mrd. US-Dollar beläuft. Wer Bitmine kauft, trägt damit neben dem ETH-Risiko auch das Risiko, dass ein Premium in einen Abschlag kippt. SharpLink, das lange mit Abschlag gehandelt wurde, ist diesem zusätzlichen Verlustmechanismus weniger ausgesetzt.
RWA-Tokenisierung und Ethlabs: starke Stories, wenig greifbare Monetarisierung
Beim derzeit populären Thema "Aktien-Tokenisierung" war SharpLink früh: Im September 2025 kündigte das Unternehmen an, SBET-Aktien gemeinsam mit Superstate über die Opening-Bell-Plattform zu tokenisieren und als erstes börsennotiertes Unternehmen Aktien nativ auf Ethereum zu emittieren. Co-CEO Joseph Chalom sagte in einem Interview im Oktober, man wolle zeitnah eine regelkonforme tokenisierte Version starten und bevorzuge Ethereum gegenüber Solana als Infrastruktur. Bislang bleibt es jedoch bei Absichtserklärungen; onchain sind weder Transaktionen noch Erlöse sichtbar. SharpLink und Superstate verwiesen zudem darauf, dass weitere regulatorische Genehmigungen erforderlich sind, insbesondere für die Handelbarkeit tokenisierter Aktien auf dezentralen Börsen.
Bitmine setzt in seiner Ökosystem-Story auf Diversifikation über sogenannte "Moonshot"-Beteiligungen, darunter indirekte Positionen in OpenAI sowie Equity-Investments in Beast Industries. Solche Anlagen liefern bislang keinen stabilen Cashflow, erhöhen aber aus Sicht des Marktes die optionale Spekulation.
Gemeinsam ist beiden die Mitfinanzierung von Ethlabs. Der Zeitpunkt ist bemerkenswert: Die Ethereum Foundation hat ihr Budget für 2026 um rund 40% gekürzt und 54 Stellen gestrichen. Der frühere Core-Development-Koordinator Trent Van Epps warnte, dass der Kernentwicklung innerhalb von drei bis neun Monaten eine Finanzierungslücke drohen könnte. SharpLink-Co-CEO Joseph Chalom sagte, Ethlabs solle die Ethereum Foundation ergänzen, räumte aber Überschneidungen ein und betonte, bei Ethlabs werde das "konzentrierteste Talent" sitzen. Bitmine-Chairman Tom Lee erklärte dagegen, die Wahrscheinlichkeit einer Krise liege bei null, da die Finanzierung bereits gesichert sei.
Unterm Strich sind RWA-Tokenisierung und Ethlabs derzeit eher langfristige Branchen-Narrative als bereits in Umsatz oder Bewertung übersetzte Geschäftsmodelle. In diesem Punkt stehen beide Unternehmen faktisch auf einer ähnlichen Startlinie.
Fazit: Zwei Risikoprofile für dasselbe ETH-Thema
Für die praktische Umsetzung eines Einstiegs in dieser Bodenbildungsphase wirkt Bitmine als bequemere Option: Der Kurs liegt näher am Nettoinventarwert, die Liquidität ist höher, Ein- und Ausstiegskosten sind planbarer. Das sind konkrete Vorteile.
Für den langfristigen Anlagehorizont treten die Schwächen Bitmines deutlicher hervor: Die in die Kapitalstruktur eingefügten perpetual preferred stocks bedeuten fixe Kosten, die bereits bedient werden. SharpLink hat eine einfachere Kapitalstruktur, und der Kurs spiegelt bereits deutlich pessimistischere Erwartungen wider – Käufer müssen keine historischen Premiums "mitbezahlen".
Drei Szenarien verdeutlichen die Verteilung der Risiken: Fällt ETH weiter, steigen die Buchverluste bei beiden. Aufgrund der größeren Position wachsen Bitmines absolute Verluste schneller; der aktuelle Bewertungsvorteil könnte schrumpfen, die Finanzierungsmaschine stünde vor ihrem ersten echten Stresstest. Stabilisiert sich ETH und dreht nach oben, hat SharpLink aus dem niedrigeren Ausgangsniveau theoretisch mehr Spielraum für eine Bewertungsaufholung. Bitmine müsste zunächst den zuvor aufgebauten Bewertungsüberhang abbauen, bevor die Erholungsphase voll durchschlägt.
Damit ist es kein Entweder-oder. SharpLinks Verwundbarkeit ist im Kurs und in der Liquidität sichtbar. Bitmines Verwundbarkeit steckt in der Kapitalstruktur und in der historisch eingepreisten Bewertungsblase. Entscheidend ist, welches Risiko für den jeweiligen Investor schwerer wiegt.